Zunzingen im Markgräflerland


Geschichte
Die Entstehung von Zunzingen

Die Anfänge

Seit wann es Zunzingen gibt, ist heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Ganz gewiß siedeln hier Menschen bereits lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung; denn die Lage des Ortes im fruchtbaren Hügelland zwischen dem Oberrhein und dem Blauenmassiv des Schwarzwaldes, eingebettet in ein liebliches Tal, bietet sich für die Gründung einer Siedlung an. Feuersteinkerne mit Bearbeitungsspuren von Menschenhand, die im Gewann "Ebene" auftauchen, legen nahe, daß hier schon in der Jungsteinzeit Menschen seßhaft sind und Ackerbau und Viehzucht betreiben. Keltische Grabstätten in der Nähe des Dorfes, die man anläßlich der Flurbereinigung im Gewann "Himmelstiege" in den 80er Jahren unseres Jahrhunderts findet, lassen auf eine dauerhafte Besiedlung schließen. Die Anwesenheit der Römer am Oberrhein ist seit dem Jahr 70 nach Christus nachgewiesen, und das römische Thermalbad in Badenweiler stellt für die Region eine Quelle von Wohlstand und Zivilisation dar.

Aus vormittelalterlicher Zeit stammt der Name Zunzingen. Die Endsilbe "–ingen" deutet auf eine alemannische Siedlung. Frei übersetzt bedeutet Zunzingen: Hier lebt die Sippe des Zuzo.

Erste urkundliche Erwähnungen

Der genaue Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung ist umstritten. Mit Sicherheit besteht Zunzingen als Gemarkung seit 799. Allerdings gibt es bereits im Zeitraum 779 bis 784 im Codex Laureshamensis – dem Besitzregister des Klosters Lorsch - mehrfach dokumentierte Beweise für das Bestehen des Ortes. Unter der Registernummer 2692 findet sich folgender Eintrag:

Donatio Rentwici in Zuzinger marca: Ego in dei nomine Rentwich pro remedio anime mee dono ad. s. N. mrem. ... Helmerius ... in pago Brisgowe in Zuzinger marca, et in Wilare, quidquid habere uidoer in mansis uineis, et VIII manicipia, stipulatione subnixa. Actum monasterio laur., die II kl. Feb., anno XXXII Karoli regis.

Demnach macht ein Edelmann namens Rentwich, besorgt um sein ewiges Seelenheil, anno 778 oder 779 dem Kloster Lorsch eine umfangreiche Schenkung, die "alles, was wir bisher in Zunzinger Marca besessen haben, nämlich Hofreiten, Wiesen, Weingärten, Wälder, Gewässer und Leibeigene" umfaßt. Helmerich ist der Name des Abtes, der zu dieser Zeit dem Kloster vorsteht. Die Abkürzung N. bezieht sich auf den Heiligen Nazarius, dessen Reliquien in Lorsch aufbewahrt werden.

Rentwich muß ein sehr reicher Mann sein, denn er verfügt auch über Besitzungen in Ober- und Niederweiler (Wilare). Vielleicht ist der großzügige Stifter sehr fromm, vielleicht bedrücken ihn auch frühere Sünden; jedenfalls ist er dermaßen besorgt um sein ewiges Leben, daß er das Kloster dreimal beschenkt. Unter den Registernummern 2662 und 2663 des Lorscher Codex finden sich weitere Schenkungseintragungen, in denen Weingärten, Leibeigene etc. erwähnt sind. Das alles geschieht in der Zeit der Regierung der Söhne Pippins des Kurzen, Karlmann (768 bis 786) und Karl dem Großen (786 – 814).

1936 hat Karl Glöckner den Lorscher Codex veröffentlicht; im dritten Band, Kopialbuch II. Teil sind die oben erwähnten Urkunden nachzulesen. Auch im Wappenbuch des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald von 1994 werden die drei Schen-kungen erwähnt, die zwischen 779 und 799 stattgefunden haben. Das Generallandesarchiv Karlsruhe hat im Auftrag der Stadt Müllheim nochmals Nachforschungen angestellt und diese Angaben bestätigt.

Das Mittelalter und die Herrschaft Badenweiler

Die Zeit der römischen Besatzung und das frühe Mittelalter mit der Herrschaft der Merowinger bescheren dem Land am Oberrhein eine lange Ära relativen Friedens. Leider ist über das kleine Dorf Zunzingen nicht viel in die offiziellen Chroniken eingegangen. So wissen wir lediglich - wieder aus einer Schenkungsurkunde – daß im Jahr 1352 dem Kloster St. Blasien Besitz in Zunzingen übertragen wird. Verfolgt man die Spur der Dokumentationen weiter, so zeigt sich, daß zwischen 1360 und 1370 die amtliche Schreibweise von "Zunzcingen" in "Zuntzingen" übergeht. In diesen Jahren wird erstmals die Zunzinger Kirche urkundlich erwähnt. Die Breisgauer Archive sprechen im Jahre 1438 noch von "ze Zuntzingen im dorffe", 1520 findet sich dort aber auch die Bezeichnung "Züntzingen".

Abgesehen von diesen spärlichen urkundlichen Erfassungen macht das Dorf in mittelalterlicher Zeit keine historischen Schlagzeilen. Der Hinweis, daß im Jahre 1385 ein gewisser Gottfrid von Zuntzingen Vogt in Buggingen wird, zeigt jedoch, daß in Zunzingen Leute von Ansehen leben.

In der Britzinger Chronik findet sich der Hinweis, daß Zunzingen in frühmittelalterlicher Zeit den Herren von Neuenfels gehört. Weiter heißt es auch, daß in der Zunzinger Kapelle einige Neuenfelser begraben liegen. Später verkaufen die Neuenfelser das Dorf an den Markgrafen. Solche Transaktionen sind keine Seltenheit, die Dörfer haben ja kein Selbstbestimmungsrecht.

Über die Verwaltungsgepflogenheiten des römischen Reiches deutscher Nation während des Mittelalters gibt es keine restlose Klarheit. Allmählich bilden sich überall feste Territorien, und eines davon ist die Herrschaft Badenweiler, die mehrere Vogteien umfaßt und dem starken Geschlecht der Zähringer gehört; eine Zähringertochter namens Clementia heiratet 1147 den Welfenherzog Heinrich den Löwen und bringt Badenweiler als Mitgift in ihre Ehe.

Die Hauptvogtei Badenweiler umfaßt die Orte Ober- und Niederweiler, Schweighof, Lipburg-Sehringen und Zunzingen. Der Burgvogt amtiert gleichzeitig als Polizeiherr und Steuer-einnehmer; die Bauern müssen den Zehnten leisten, die waffen-tauglichen Männer sind zum Kriegsdienst verpflichtet. Und natürlich teilen die Dörfer das politische Schicksal ihrer Herren, so auch Zunzingen.

Anfang des 13. Jahrhunderts stirbt die Hauptlinie der Zähringer aus und Badenweiler fällt an die Grafen von Freiburg. Als gegen Ende des 14. Jahrhunderts Graf Egeno von Freiburg durch den Tod seines Bruders Heinrich die Burg Badenweiler erhält, muß er seine Herrschaft an das Haus Österreich verpfänden, um seine hohen Schulden zu bezahlen. So kommt es, daß Katharina von Burgund, die Gemahlin Herzog Leopolds von Österreich, 1409 auf der Burg Badenweiler herrscht. Da spitzt sich ein verhängnisvoller Erbstreit zwischen Österreich und den Basler Eidgenossen dramatisch zu. Mit tausend Mann Fußvolk und vierhundert Reitern fallen die Basler in die Markgrafschaft ein. Sie richten an der Burg Badenweiler schwere Schäden an und brennen acht Dörfer der Umgebung nieder. Zunzingen geht in Flammen auf. Für das Elend der Bauern findet sich kein Geschichtsschreiber.

Das Burgfräulein vom Neuenfels und der Zunzinger Wald

1428 ereignet sich ein lokalhistorisch interessanter Zwischenfall in Zunzingen. Aus den Vogteien Badenweiler und Müllheim tritt ein Gremium angesehener Männer – unter ihnen der Stabhalter Christian Eberhardt aus Niederweiler und der Richter Hans Jacob Rieger - in dem kleinen Dorf zusammen, um einen schwierigen Rechtsstreit zu klären. Es geht um das sogenannte "Gemärk", ein gemeinsam genutztes Waldgebiet am West- und Nordhang des Blauen. Man einigt sich gütlich, und die bis dahin nur mündlich vereinbarten Nutzungsrechte werden schriftlich festgehalten. Dieser sogenannte "Waldbrief" wird 1451 und 1578 in Müllheim bestätigt. Offenbar besitzen auch die Zunzinger ein Waldstück am Blauen, an dem sie sehr interessiert sind. Grund dafür ist mit Sicherheit der kostbare Baumbestand; doch auch mythologische Argumente könnten eine Rolle spielen. Der Blauen als Mondberg der Kelten ist sozusagen für den Volksmund immer noch kultisch-heilige Stätte, auch wenn die ursprüngliche Bedeutung zu dieser Zeit schon verloren gegangen ist.

Seinen Waldreichtum verdankt Zunzingen auch dem von Legenden umwobenen Burgfräulein vom Neuenfels, Elisabeth von Wahrenbach. Um das Jahr 1500 überschreibt das Edelfräulein "einen schönen Eichwald den drei Gemeinden Britzingen, Dattingen und Zunzingen". Insgesamt 228 Juchert Wald schenkt das Fräulein den drei Dörfern, auf Zunzingen entfallen 57 Juchert. Der Volksmund erzählt, daß diese Neuenfelserin im Gewann Wahrenbach zwischen Britzingen und Zunzingen ein Schlößchen besaß, das versunken ist. Dazu gehörten ein Garten und ein kleiner Weinberg. Eine mündliche Überlieferung berichtet von einem unheimlichen Vorgang. Nachdem das Schloß in der Erde verschwunden ist, hören die Leute aus der Tiefe herauf noch sieben Tage lang einen Hahn krähen.

Markgräflerland und Bundschuh

In das 15. Jahrhundert fällt ein politisches Ereignis, welches für Zunzingen von höchster Bedeutung ist: 1444 schlägt die Geburtsstunde des Markgräflerlandes. Als der letzte Graf von Freiburg den Markgrafen Hugo und Rudolf von Hachberg die Herrschaft über Badenweiler überschreibt, werden Rötteln, Hachberg-Sausenburg und Badenweiler mit einem Schlag zu einer politischen Einheit. Für die Bauern der Herrschaft Badenweiler ist diese politische Kontinuität enorm wichtig, sind sie als Leibeigene doch völlig abhängig von ihren jeweiligen Herren.

In der Britzinger Chronik lesen wir: "Um 1510 verkaufte das Freiburger Nonnenkloster Adelhausen an Markgraf Christoph seine, in den Dörfern der Herrschaft Badenweiler zu Britzingen, Dattingen, Zunzingen, Ober- und Niederweiler, Buggingen, Müllheim, Vögisheim, Schliengen, Neuenburg und Feldberg gehabte Zinse, welche in Geld, Hühner, Kappen, Eier, Wein, Korn, Haber, Nüsse etc. bestunden, um 1400 rheinische Gulden".

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird die Region am Oberrhein von einer sozialen Gärung ergriffen. 1525 bricht der Bauernkrieg aus, der "Kampf zwischen Kuhschwanz und Feder". Zwar werden die Bauern in der Herrschaft Badenweiler nachweislich besser behandelt als anderswo, es gibt keine drakonischen Blutgerichte, keine drastische Ausbeutung. Doch die Leibeigenschaft wird zunehmend als menschenunwürdig empfunden. Der Bauern-aufstand erfaßt schließlich auch das Markgräflerland. Aber die Bundschuhbewegung, eng verbunden mit dem Namen des Rebellenführers Jos Fritz, wird niedergeschlagen, Leibeigen-schaft und Fron dauern fort bis ins 19. Jahrhundert.

Es läßt sich nicht nachweisen, daß die mißglückte Bauern-bewegung auch in Zunzingen aktive Anhänger hat. Immerhin profitiert das Dorf von den wenigen Vorteilen, welche der Aufstand den Bauern der Markgrafschaft bringt: Der sogenannte "Kleine Zehnt", der sich auf die Abgabe bestimmter Naturalien bezogen hat, fällt weg. Auch dürfen die Bauern von nun an in beschränktem Umfang auf die Jagd gehen – bis dahin ein absolutes Privileg des Adels. Außerdem verzichtet der Markgraf auf eine Sondersteuer, welche die Bauern besonders erbitterte: Die Abgabe von Vieh bei einem Todesfall in der Familie.

Sage vom Judengalgen

Da die Menschen völlig von der Landwirtschaft abhängig sind, gibt es durch Mißernten immer wieder Hungerjahre. Manch armer Teufel sieht sein einziges Heil im Stehlen. Wie streng und leider manchmal auch willkürlich die Gerichtsbarkeit ist, darüber berichtet die düstere Legende vom Judengalgen. Sie ist in der Britzinger Chronik aufgezeichnet:

"Anno 1576 ist umb Diebstahls willen ein Judt zu Müllheim gehenckt worden, ahn den Ort und Galgen da (schon) zuvor ein Judt gehenckt gewesen, (dieser Galgen stund am Kreuzweg gegen Zunzingen). Haben sich beide taufen lassen, sonst wehren sie ahn die Füeß gehenckt worden. Der Letste ist aber doch nicht bestaendig geblieben".

Die Volkssage macht für die Hinrichtung des zwangsgetauften, aber nicht beständig gebliebenen Juden einen Willkürakt des Badenweilerner Oberamtmannes Hans Hartmann von Habsperg verantwortlich, der sich bei der Ausübung seines Amtes manche Gewalttat erlaubt haben soll.

Die Legende berichtet: Eines Tages reitet Hans von Habsperg mit einem Diener und einem Hatschier (Büttel) von Müllheim nach Sulzburg. Auf der Höhe zwischen Müllheim und Zunzingen erwischen sie einen Juden, der bereits wegen mehrerer Diebstähle bestraft und verwarnt worden ist. Der Jude macht sich sofort verdächtig, da er beim Nahen der Obrigkeit eilends die Flucht ergreifen will. Tatsächlich findet man in seinem Zwerchsack einige Hühner, und der Mann gesteht, daß er diese in Zunzingen gestohlen habe. Habsperg macht kurzen Prozeß und der Unglückliche wird beim Kreuzweg auf der Anhöhe an einem Nußbaum aufgehängt. Der Platz heißt bis heute "Judengalgen". Es ist dieselbe Stelle, wo im Jahr 1871, nach der Beendigung des Krieges mit Frankreich, eine noch heute dort stehende Friedenslinde gepflanzt wird.

Der Amtmann, der seinen Landesherrn erst nach der Hinrichtung informiert, erhält nur einen milden Tadel und den Hinweis, Todesurteile künftig vor der Vollstreckung bestätigen zu lassen. Von der Persönlichkeit des eigenmächtigen Hans von Habsperg können wir uns ein gutes Bild machen: Zwei überlebensgroße, sehr realistische Steinfiguren, die ihn und seine Gemahlin Glodina darstellen, schmücken das Epitaph (Grabmahl) des Ehepaares in der Müllheimer Martinskirche. Wie er da steht, in voller Rüstung, mit stolzer Haltung und strengem Blick, ist ihm ein rasch gefälltes Urteil über einen armen Dieb wohl zuzutrauen. Die Bezeichnung "Judengalgen" ist in einem Gerichtsprotokoll aus dem Jahre 1653 erstmals nachgewiesen – ein Zeichen dafür, daß an dieser Stelle noch mehr als einmal das Blutgericht stattfand.

Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg

Das bedeutendste Ereignis des 16. Jahrhunderts ist die von Luther ins Leben gerufene Reformation. Mit der Einführung der neuen Kirchenordnung durch Markgraf Karl II, der sich im Jahre 1556 zum Protestantismus bekehrt, wird Zunzingen evangelisch; denn nach geltendem Recht müssen die Untertanen sich zur Konfession ihres Fürsten bekennen. Während links des Rheins in Frankreich, wo der Calvinismus sich durchzusetzen versucht, bald darauf ein blutiger Religionskrieg nach dem anderen wütet, bleibt es im Deutschen Reich zunächst relativ friedlich. Doch im Jahre 1618 bricht unter Kaiser Ferdinand II. der Dreißigjährige Krieg aus, der unvorstellbares Leid über das ganze Land und ganz besonders über die Dörfer bringt, die den durchziehenden Marodeuren aller Art und Konfession schutzlos preisgegeben sind. Zunächst bleibt Zunzingen allerdings vom Krieg verschont, muß lediglich Abgaben an den Markgrafen leisten, der Truppen zu Fuß und zu Roß anwirbt.

Hunger, Brandschatzung und Pest

Mitten in diesem Elend trifft die Menschen ein neuer Schock: Der gefürchtete Schwarze Tod, der im 14. Jahrhundert halb Europa auslöschte, kommt zurück. Die Pest bricht aus! 1624 versetzt sie dem Land einen ersten Schlag, doch 1629 rafft sie noch einmal ganze Dörfer dahin und wütet auch in Zunzingen grauenhaft. Die Menschen sterben wie die Fliegen, die Überlebenden sind wie gelähmt. Und nun beginnen erst die Schrecken des Krieges.

Im Frühjahr 1633 greifen kaiserliche Truppen des Marschalls Hannibal von Schauenburg und des Grafen Montecuccoli, die für die katholische Sache kämpfen, die Burg Badenweiler an, müssen sich jedoch am 23. April zunächst unverrichteter Dinge zurückziehen. Ihre Wut über den Mißerfolg lassen sie an den schutzlosen Dörfern aus; Zunzingen wird geplündert und niedergebrannt. Im Mai erobern die Kaiserlichen die Burg Badenweiler und legen auch dort Feuer. Allerdings gelingt es bald darauf dem Markgrafen Friedrich V, die Herrschaft mit schwedischer Unterstützung zurückzuerobern. Doch auch die schwedischen Einheiten, obwohl nicht feindlich, gehen brutal mit der Bevölkerung um, und manch armer Bauer muß am Schwedentrunk (gewaltsam eingeflößte heiße Jauche) jammervoll krepieren.

1634 wird das Dorf erneut von den Kaiserlichen überfallen; sie rauben aus dem Turm der Dorfkirche die beiden Glocken. Wer von den Einwohnern dazu in der Lage ist, sucht sein Heil in der Flucht; viele fliehen nach Basel. Dort kommen Zunzinger Kinder zur Welt und werden auch getauft, wie zum Beispiel die folgende Eintragung in ein Basler Kirchenbuch beweist: "1635 bei St. Elisabeth ihr Kind Maria: Vater Hans Feyer von Zuntzingen und (Mutter) Anna Bleüelin". In Basel findet auch Markgraf Friedrich, als er 1638 von Bernhard von Weimar aus seiner Burg vertrieben wird, ein sicheres Asyl.

Ganz schlimm wird der Winter des Jahres 1635/36. Zuerst fallen die Kaiserlichen erneut in die Vogtei ein, dann kommen die Franzosen, die "Wernerischen Reuter". Wir lesen in der Britzinger Chronik: "Da war große Not unter den Leuten wie niemals, es lief alles aus dem Land hinweg, was entlaufen konnte; sie hausten schrecklich.". Und weiter heißt es: "Diese Reiter, wohl 700 an der Zahl, waren über 5 Wochen in der Vogtei und haben dermaßen gehauset, daß ein harter Stein sich erbarmen möchte. Sie haben alles verwüstet, zerschlagen, daß es unglaublich ist, welche Grausamkeit und Muthwillen sie verübet. Da war keine Barmherzigkeit gegen Alt und Jung, gegen Mann und Weib, mit Hauen, Schlagen, Brennen, Knebeln, Foltern, Wurken und Schänden. Da war gegen Weibspersonen kein Erbarmen, daß etliche jämmerlich ersterben mußten. Es konnte auch niemand entrinnen oder entlaufen, wegen des schnellen Einfalls der grausamen Kälte und tiefen Schnees".

Die Hungersnot wird so schlimm, daß die Dorfbewohner sich von Hunden und Katzen ernähren müssen. Die barbarische, zuchtlose Soldateska schändet Frauen und Mädchen, vernichtet den Hausrat, haut fruchtbare Bäume ab und verdirbt alles, was ihr in die Hände fällt.

Als der Krieg vorbei ist – 1648 wird der Westfälische Frieden geschlossen – liegt das ganze Land darnieder, ausgeblutet und verwüstet, die Felder unbebaut, die Menschen geflohen oder umgebracht. In der Herrschaft Badenweiler leben noch 250 von ehemals 1700 Familien. Es ist ein apokalyptischer Totentanz, von dem sich die Region nur langsam erholt. Die nach Basel geflohenen Zunzinger kehren zurück. Das Leben muß weiter-gehen.

Doch mit dem Krieg sind die Bedrückungen für die ländliche Bevölkerung noch nicht vorbei; nun müssen die Schulden des Landes abgetragen werden, Bürger und Bauern werden zur Zahlung der "Friedensgelder" herangezogen; es werden Sondersteuern auf Waren, Vieh, Holz, Salz erhoben.

Die Brandfackel des Sonnenkönigs

Kurze dreißig Jahre dauert die Friedensphase, die den Bauern kaum gestattet, sich zu erholen. Denn schon lodern die Brandfackeln eines neuen Krieges auf. 1676 fallen erstmals die Truppen Ludwigs des Vierzehnten ein. Von der Feste Breisach aus überfallen sie das Markgräflerland und brennen die Dörfer nieder. Zunzingen wird erneut zum Raub der Flammen. Kurz danach kommen die Truppen des deutschen Kaisers, die eigentlich der bedrängten Bevölkerung helfen sollen und plündern, was die Franzosen übrig gelassen haben. Die Bauern sind für die verrohten Soldaten nur eine Beute und für die großen Machthaber nicht mehr als Schachfiguren auf einem Brett.

Dreimal überfällt Ludwig XIV das Land am Oberrhein, wobei seine Heerführer die Taktik der verbrannten Erde verfolgen. Die Dörfer fallen in Schutt und Asche. Im sogenannten "Holländischen Krieg" (1672 bis 1679) werden die Burgen Badenweiler, Hachberg-Sausenburg und Rötteln zerstört. Der zweite Raubkrieg des Sonnenkönigs (1688 bis 1697), den er wegen des umstrittenen Erbes seiner Schwägerin Lieselotte von der Pfalz vom Zaum bricht, bürdet der oberen Markgrafschaft fast unerträgliche Kontributionen auf.

Eine führende Rolle spielt der besser als "Türkenlouis" bekannte badische Markgraf Ludwig Wilhelm im spanischen Erbfolgekrieg (1701 bis 1714). Er wird zum Oberbefehlshaber der deutschen Streitkräfte ernannt und kämpft bei Friedlingen im Käferholz (1702) tapfer gegen die Franzosen, bevor er sich in den Schwarzwald zurückziehen muß. Das Markgräflerland wird daraufhin von französischer Seite hart bedrängt, und die Bauern müssen Futtermittel und Schanzarbeiter für die Anlagen in Breisach stellen. Zunzingen ist davon ebenso betroffen wie die Dörfer ringsum.

Schweizer Familien werden in Zunzingen heimisch

In späterer Zeit empfinden selbst viele Franzosen die unerbittlichen Schläge des Sonnenkönigs gegen die Markgraf-schaft als ungerecht. Als Voltaire anläßlich einer Reise an den Oberrhein kommt, legt er sich aus Scham ein italienisches Incognito zu. Erst mit dem Rastatter Friede (1714) kommt das Land wieder zur Ruhe.

Auch das Dorf Zunzingen ist hart betroffen. Wieder fliehen die Einwohner zu ihrem bewährten Zufluchtsort, der Stadt Basel. Als sie nach dem Friedensschluß von Nymwegen im Jahre 1679 zurückkehren, kommen mit ihnen einige Schweizer Familien, die sich in Zunzingen niederlassen. Zu ihnen gehören die Freys und die Kunys, deren Nachkommen heute noch leben.

Die Einbürgerung erfolgt nach und nach; zunächst müssen die eingewanderten Familien sich mit dem Status von "Hintersassen" zufrieden geben. Das bedeutet, daß sie kein Eigentum erwerben können und ein "Schutzgeld" bezahlen müssen. Doch ihr Handwerk dürfen sie ausüben. Nach einer Zeit der Bewährung erlaubt man ihnen, ordentliche Bürger zu werden; dafür müssen sie eine "Taxe" bezahlen und jede Familie muß zudem einen Feuereimer stellen. Letzteres zeigt, wie groß die Angst der Dorfbevölkerung vor der Brandgefahr ist, die auch in kriegsfreier Zeit oftmals droht.

Bescheidener Wohlstand


Ab etwa 1700 existieren für Zunzingen zunächst spärliche Gemeindearchivalien, von denen die frühesten im General-landesarchiv Karlsruhe aufbewahrt sind. Sie stehen alle im Zusammenhang mit Besitzerwerb. Da heißt es, daß am 20. Oktober 1700 zwischen den Gemeinden Dattingen und Zunzingen ein Vergleich über die Matten und den Weidgang gemacht wird.

Schon ab dem Jahr 1723 wird der liegenschaftliche Besitz von Zunzingen erfaßt. Darin sind aufgeführt: Gebäude, Äcker, Wiesen, Reben, Sand, Lehmgruben und Steinbrüche. Der Waldbestand ist darin nicht aufgeführt, da er gesondert erfaßt wird.

Am 17. Dezember 1735 kauft die Gemeinde Zunzingen von den Kindern des verstorbenen Michael Tanz eine Behausung. Am 16. August 1759 schließen Zunzingen, Britzingen und Dattingen einen "Waldvergleichsbrief" miteinander ab. Am 22. Dezember 1772 kauft die Gemeinde Zunzingen von den Erben eines gewissen Joseph Zott einen Wald. Das sind natürlich nur "Splitter" aus dem Gesamtzusammenhang, aber sie zeigen doch eine Tendenz: Das Dorf will seinen Besitz sichern und wenn möglich vergrößern.

Auch die kulturellen und religiösen Werte werden in Zunzingen nicht vernachlässigt. 1756 ertrotzt das Dorf gegen den Willen der Kirchenbehörde in Karlsruhe den Ausbau der kleinen Kapelle zu einer Kirche. Seit 1766 ist das Bestehen einer Volksschule in Zunzingen nachgewiesen.

So unzusammenhängend sie sind – alle diese Dokumentationen deuten auf einen bescheidenen aber stetigen Wohlstand, bei dem der Wald und die Reben eine große Rolle spielen. So kann im Jahr 1754 der Müllheimer Amtmann Salzer über Zunzingen sagen: "Allda wächst Frucht (Getreide), Obst und ein guter Wein, aber saures Gras. Es sind allda einige Vermögliche, meist (aber) arme Leute, welche mit Steinbrechen, Taglöhnen und ihrer Hände Arbeit sich sauer ernähren".

Interessant ist eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1765. Danach muß ein Zunzinger Bürger in diesem Jahr Zinsen an das Großpriorat Heitersheim bezahlen. Also hatte der Johanniter- und Malteserorden zu dieser Zeit noch Grundbesitz in Zunzingen.

Politische Liberalisierung – Zunzingen wird selbständig

Gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgt in Europa, hervorgerufen durch die französische Revolution und die napoleonischen Kriege, eine tiefgreifende politische Umstrukturierung. Zu ihren Auswirkungen gehören die Säkularisierung und in Deutschland vor allem die nationalistische Bewegung. 1767 verbietet der liberale Markgraf Karl Friedrich die Folter. Am 23. Juli 1783 hebt er in allen seinen Landen die Leibeigenschaft auf. Er will nur noch über freie Menschen regieren. Man kann sich leicht vorstellen, daß beim Bekannt-werden solch sensationeller Neuigkeiten auch die Bauern in Zunzingen Freudenfeste feiern. Die im Gemeindearchiv aufbewahrte Herrenfrohndablösungsurkunde ist ein wichtiges Dokument aus dieser Zeit.

Doch es gibt noch weitere politische Umwälzungen. Die Markgrafschaft erweitert sich zunächst zum Kurfürstentum und bald darauf zum Großherzogtum Baden. Der enorme Gebiets-zuwachs macht eine Verwaltungsreform notwendig; diese löst im Jahre 1809 das Dorf Zunzingen aus dem Vogteiverband von Badenweiler und erhebt es zur selbständigen Gemeinde. Zunzingen wird "unabhängig". Fortan leiten tüchtige Vögte und Bürgermeister das Geschick des Dorfes. Der erste Bürgermeister, ein Mann namens Kuny, wird gewählt.

Natürlich bleibt die kleine Gemeinde von den Ereignissen der Weltgeschichte nicht verschont. Doch innerhalb der Kompe-tenzen ihrer Selbstverwaltung gibt es eine kontinuierliche Entwicklung, die den bescheidenen Wohlstand und die dörfliche Infrastruktur fördert. Dem Dorf steht der Bürgermeister vor; weitere Amtspersonen sind der Ratschreiber, der Polizeidiener und der Gemeinderechner. Außerdem gibt es einen ständigen Feldhüter, einen Rebhüter (Bammert), einen Wegwartedienst und einen Waldhüter.

Auch die Bürokratie hält ihren Einzug. An Vorschriften mangelt es nicht. Jeder Hausbau, jeder Schuppen und Trottschopfanbau muß von der Behörde genehmigt werden. Beschwerden von Bürgern – zum Beispiel wegen der Beschädigung eines Hauses - werden aktenkundig.

Die "Feuerpolizei" ist straff organisiert, ihre Gerätschaften werden regelmäßig kontrolliert und aufgeschrieben. Auch das Jagdwesen und die Forstwirtschaft sind geregelt bis hin zu genauen Anweisungen für die Dienstkleidung des Waldhüters. Über den Gemeindewald, der für das Dorf einen kostbaren Besitz darstellt und Quelle vieler Einnahmen ist, wird genauestens Buch geführt: Wald- und Schleifwege, Holzhieb und Wiederaufforstung, Holzverkauf – jede Aktion findet ihren Niederschlag im Gemeindearchiv.

Als 1849 die Badische Revolution das Markgräflerland erschüttert und auch im benachbarten Müllheim einige Scharmützel für große Aufregung sorgen, halten die Zunzinger sich heraus. Sympathie für die Ziele der Revolution haben sie aber doch. Es ist ziemlich sicher, daß in dieser Zeit erstmals ein Gesangverein im Ort gegründet wird. Die Gesangvereine aber sind bekanntlich aus der vaterländischen Bewegung der Revolution heraus entstanden.

Über den Krieg 1870/71 mit Frankreich gibt uns die Müllheimer Chronik einen recht pathetisch-vaterländischen Bericht. Ob auch Zunzinger Männer am Feldzug teilnahmen, ist unklar. Als dieser Krieg am 10. Mai 1871 mit dem offiziellen Friedensabschluß in Frankfurt beendet ist, werden jedoch drei Friedenslinden gepflanzt. Zwei davon stehen heute noch, eine bei der Gärtnerei Berthel gegenüber der Kirche, eine auf dem Judengalgen. Die prächtige Linde, die am unteren Dorfbrunnen stand, muß in den 60er-Jahren unseres Jahrhunderts dem Straßenbau geopfert werden.

Nach dem 70er-Krieg lassen sich Markgräfler Bürger im damals deutschen Elsaß nieder. Zu ihnen gehört ein Zunzinger namens J. Bolanz, der mit seinem Kompagnon Bauer in Straßburg ein eigenes Steinmetzgeschäft mit Steinbrüchen gründet und betreibt. Nach dem Ersten Weltkrieg werden die Nachkommen dieses Zunzingers wieder aus dem Elsaß vertrieben und kehren nach Zunzingen zurück.

Ab 1889 ermöglicht die großzügige Stiftung eines begüterten Müllheimer Bürgers namens Christian Klor eine grundlegende Renovierung der Zunzinger Kirche, über deren Geschichte noch zu berichten sein wird.

Die Amerika-Auswanderer

Trotz seines bescheidenen Wohlstandes muß das Dorf, das völlig von der Landwirtschaft abhängig ist, immer wieder Notzeiten erleben. Strenge Winter, schwere Hagelwetter und Gewitter, Trockenheit und Futternot wie im Jahre 1894 erschweren das Leben der Familien. Der Kinderreichtum ist nicht immer nur ein Segen. Wo zu viele hungrige Mäuler zu stopfen sind, herrscht die Armut. So muß die Gemeinde auch ein Armenhaus einrichten und regelmäßig bedürftige Personen unterstützen. Mit einem sozialen Netz, wie es in heutiger Zeit existiert, ist diese Armenhilfe aber nicht im mindesten vergleichbar.

Um dem Schicksal der Armut zu entfliehen, ergreifen einige Zunzinger Bürger die Flucht nach vorne und fahren über den großen Teich. Ihr Leitspruch heißt: "Amerika, du hast es besser".

Durch Notzeiten bedingt wandern schon vor 1900 junge Leute aus Zunzingen nach Amerika aus. Alle erhoffen sich dort eine bessere Zukunft. Von der Familie Bolanz wandern nachweislich zwischen 1871 und 1875 drei Geschwister aus und werden im Staat Ohio heimisch. Einer von ihnen ist Heinrich Otto Bolanz (geboren 1861, gestorben 1904). Sie genießen beträchtliches Ansehen, denn die Stadt Akron nennt eine ihrer Straße ihnen zu Ehren "Bolanz-Road". Zwischen 1904 und 1918 sterben diese Pioniere dann in Ohio. Doch ihre Nachkommen leben bis heute, allerdings verstreut über die ganzen USA.

Zu den Amerika-Auswanderern gehört auch Maria Veigel, eine geborene Lehmann aus Zunzingen. Gemeinsam mit ihrem Mann macht sie über dem Großen Teich zunächst ihr Glück, doch dann stirbt der Ehemann bei einer Grippeepedemie. 1922 kehrt Maria Veigel ins Markgräflerland zurück. Sie erreicht das gesegnete Alter von 106 Jahren und ist auf dem Zunzinger Friedhof gegraben. Angehörige der Familie Hauser-Lehmann, die ebenfalls vor der Jahrhundertwende auswandern, sind wahrscheinlich noch auf der Überfahrt verstorben, denn man hat nie wieder etwas von ihnen gehört.

Fünf Geschwister der Familie Lehmann-Körkel emigrieren nach Amerika. Es sind Margret Lehmann, Karl Lehmann, Olga Lehmann, Johanna Lehmann und zuletzt im Jahr 1951 Willi Lehmann mit seiner Ehefrau Hilde geborene Lindemann. Auch in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts behalten die USA für die Zunzinger ihren Reiz als Auswanderungsland. In den 1960er-Jahren wandern Helga Erhardt und Erika Bolanz aus.

Auch Südamerika wird Ziel der Zunzinger "Auswanderungswelle". Alte Briefe dokumentieren, daß vor der Jahrhundertwende Angehörige der Familie Eichin nach Chile auswandern. Wir werden an späterer Stelle noch von den Auswanderern hören.

Das 20. Jahrhundert beginnt

Die Technik hält ihren Einzug ins Dorf

Der von der wilhelminischen Ära geprägte Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bringt auch für Zunzingen eine Zeit gemächlichen Aufschwungs. Man lebt nicht schlecht von der Landwirtschaft, vor allem vom Weinbau und vom Wald, aber auch von Steinbrüchen und Sandgruben. Ab und zu muß der Dorfpolizist, der mit dem Säbel seine Patrouillen macht, einen Betrunkenen im Dorfarrest einsperren. Einige allzu wackere Zecher erhalten sogar zeitweilig Wirtshausverbot. Gerne spielt man dafür dem Gendarmen manch derben Streich. So wird die Säbelscheide eines Tages mit einer Flüssigkeit verunreinigt, die normalerweise in den "Pot de chambre", alemannisch "Bottschamber" gehört. Nachrichten werden "ausgeschellt"; der Gemeindediener geht mit seiner Schelle durch das Dorf und ruft seine "Bekanntmachung" aus.

Bereits im Jahr 1909 hat Zunzingen eine Wasserleitung, ein Komfort, von dem vor allem die Frauen bei der Küchen- und Wascharbeit profitieren. Am Anfang klappt es mit dem Druck nicht immer so recht. Von einer Bäuerin wird berichtet, daß sie vergißt, den Hahn zuzudrehen, als einmal kein Wasser kommt. Nach ein paar Stunden, als sie von der Arbeit in den Reben zurückkehrt, steht die Küche unter Wasser. Ihr Kommentar dazu: "So sottsch emol nit wüetig werde!".

Im gleichen Jahr werden die ersten Kabelleitungen für "das Elektrische" verlegt, wie im Gemeindearchiv nachzulesen ist. 1910 baut die Familie Kuni auf ihrem Anwesen einen Dreschschopf und erwirbt eine Dreschmaschine und eine elektrische Kreissäge; diese Anschaffungen werden von den Zunzingern und sogar von Leuten aus dem benachbarten Dattingen mitbenutzt.

Der Erste Weltkrieg

Das idyllische Bild zerbricht jäh. 1914 bricht der erste Weltkrieg aus – Zunzingen muß erneut großes Leid erleben; denn die Schüsse von Sarajevo haben auch im Markgräflerland ein düsteres Echo. Erfüllt vom schlichten Stolz des jungen deutschen Nationalgefühles können die Menschen nicht ahnen, was für Schrecknisse ihnen und ganz Europa bevorstehen. Die Männer, die in den Krieg ziehen, glauben fest an die gute Sache des Vaterlandes.

Der Krieg ist nicht rasch zu Ende, wie man gehofft hatte. Bald lähmt er das gesamte öffentliche Leben, auch die Aktivitäten des Gesangvereins kommen zum Erliegen. Die Zunzinger Schule wird geschlossen, die Kinder müssen in Britzingen den Unterricht besuchen. Als 1918 die Welt wieder zur Vernunft kommt und Friede geschlossen wird, muß Zunzingen eine traurige Bilanz ziehen: Sechs Männer sind gefallen. Das Leid der Witwen und Waisen ist nicht in Worte zu fassen.

Und doch geht das Leben weiter. Auch der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. 1920 wird bei der Linde eine Fuhrwerks-brückenwaage installiert, auf der bis in die 70er-Jahre die Herbstfuhrwerke mit den Traubenbottichen gewogen werden. In den Zwanzigerjahren fährt die erste Buslinie von Müllheim nach Sulzburg. Der Bürgermeister, der Ratschreiber und der Gemeinderechner sind Ehrengäste bei der Jungfernfahrt.

Jetzt verlassen wieder einige Zunzinger ihr Heimatdorf, um in der Neuen Welt ihr Glück zu versuchen. Es sind die Folgen der Inflation und die bittere Armut, welche die Leute dazu treiben, im fernen Amerika eine neue Existenz zu gründen. 1923 wandert Otto Bolanz nach Amerika aus und läßt sich im Staat New York nieder. Bis zum Jahr 1927 folgen ihm drei seiner Geschwister. 1937 gibt es eine große Wiedersehensfreude. In diesem Jahr kann das "Bolanz-Muetterli" seine ausgewanderten Kinder und Verwandten in den Staaten besuchen. Zeitungsberichte und Briefe dokumentieren diese Reise.

Der Zweite Weltkrieg

Das Dorf hat sich noch nicht richtig vom Ersten Weltkrieg erholt, da bricht mit dem Jahr 1933 und dem Hitlerregime ein neues Verhängnis herein. Zu dieser Zeit ahnen noch nicht viele, was Hitler und seine Gesinnungsgenossen unter der "Erneuerung des Bauernstandes" verstehen. Doch die Blut- und Bodenphilosophie, mit der man vor allem die Bauern auf den Leim locken will, verblendet bereits viele Geister.

Es kommt noch andere Unbill dazu. In einem Jahr hängen so wenige Trauben in den Reben, daß die Leute mit Kirschkratten zur Weinlese gehen. Es heißt: "D' Würm hän der Herbscht g'fresse!". Für die Bauern bedeutet das einen herben Verdienstausfall.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, werden die wehrtüchtigen Männer eingezogen. Noch im gleichen Jahr wird in Zunzingen eine Artillerie-Abteilung stationiert, später sind auch andere Truppenteile einquartiert.

Der Winter kommt in diesem Jahr früh und wird hart. Die bereits einberufenen Männer aus dem Dorf erhalten deshalb Sonderurlaub, um in der Landwirtschaft zu helfen. Der Herbst ist noch draußen, man muß den Schnee von den Trauben schütteln. Bald werden auch die Waren rationiert und man kann bestimmte Güter nur noch mit Bezugsscheinen einkaufen. Die Bauern müssen große Teile ihrer Erzeugnisse abliefern.

Im ganzen Reich breitet sich das Krebsgeschwür der totalitären Unterdrückung aus. Auch Zunzingen bleibt davon nicht verschont, es gibt einige überzeugte Nationalsozialisten und eine Reihe von Mitläufern. Für viele andere eine beklemmende und bedrohliche Situation. Bürger und Amtspersonen, die mit dem national-sozialistischen System nicht einverstanden sind, haben besonders zu leiden. Männer, die nicht Mitglieder in der NSDAP werden wollen, werden aus öffentlichen Ämtern entfernt. Recht und Gesetz folgen den willkürlichen Regeln der Diktatur. Eine Frau steht im Verdacht, den verbotenen Bibelforschern anzugehören und wird – gottseidank nur zeitweilig - eingesperrt.

Doch das Dorf bewahrt trotz aller nationalsozialistischen Propaganda und Unterdrückung sein menschliches Gesicht, der von oben diktierte Rassismus ist nicht bis in die Herzen aller Menschen vorgedrungen. Die Bestimmung, daß die osteuro-päischen Zwangsarbeiter nicht mit den deutschen Familie am Tisch sitzen dürfen, wird von den meisten Bauern nicht eingehalten. Ein polnischer Kriegsgefangener oder Zwangs-arbeiter soll eines Tages von einem Nazischlägertrupp mit einer Hundepeitsche verprügelt werden. Der Bauer, ein im Geiste liberaler Mann aus einer alten Zunzinger Familie, stellt sich dem Schlägerkommando mutig entgegen: "Das dulde ich nicht auf meinem Hof!". Seines persönlichen Risikos ist er sich wohl bewußt. Unverrichteter Dinge ziehen die Schlägertypen wieder ab. Dem jungen Polen rät der Bauer: "Wenn die wiederkommen, dann versteckst Du Dich sofort auf dem obersten Heuboden, da kommen sie nicht hin". Es gibt noch weitere solcher Geschichten.

Der Zweite Weltkrieg hat für das Dorf noch verheerendere Folgen als die Kriegsjahre 1914/18. Todes- und Vermißtenmeldungen gehen regelmäßig durch den Ort, rufen Trauer und Verzweiflung hervor. 1944 kommt die Angst vor Bombardierungen hinzu. Am Pfarracker und im Wurzengraben sind Bunker angelegt, im Bühlrain sogar ein Luftschutzbunker, der hervorragend ausgebaut ist. Bei dem hochgelegenen Pfarracker müssen zwei Schulbuben Wache halten und im Dorf sofort melden, wenn sie eine feindliche Bewegung bemerken. Wieder muß die Schule geschlossen werden, die Kinder gehen jetzt nach Dattingen zum Unterricht.

Als am 27. November 1944 Freiburg bombardiert wird, wackeln in den Stuben in Zunzingen die Lampen. Vom Pfarracker aus kann man deutlich die "Weihnachtsbäume" erkennen. Zu dieser Zeit befinden sich von der männlichen Bevölkerung nur noch die ganz Alten und die ganz Jungen im Dorf.

Wenn jemand beerdigt wird, darf keine Glocke geläutet werden; die große Glocke muß schon 1942 in Badenweiler abgeliefert werden und wird eingeschmolzen. Nachts wird alles abgedunkelt, selbst der kleinste Lichtschein wird erstickt.

Viele Zunzinger Familien haben Verwandte im nahe bei der Grenze gelegenen Zienken. Als die Stadt Neuenburg 1944 durch den Artilleriebeschuß schwer beschädigt wird, muß Zienken evakuiert werden. Viele Zienkener suchen Schutz und Unterkunft in Zunzingen, wo sie von ihren Verwandten mitsamt ihrem Vieh aufgenommen werden. Es wird eng in Haus und Hof.

Doch nicht nur Flüchtlinge muß das Dorf aufnehmen; es gibt noch andere Einquartierungen. Soldaten, russische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Rußland, Polen und der Tschecho-slowakei müssen untergebracht werden. Auch für Rösser und Maschinen wird Platz benötigt. Da der Wohnraum nicht ausreicht, schlafen die Leute auch auf den Heuböden.

Am 24. April 1945 besetzen französische Truppen das Dorf. Im Mai ist der Kriegsspuk zu Ende. Zunzingen hat wiederum einen hohen Blutzoll bezahlt: Zwölf Männer sind auf den Schlachtfeldern geblieben, ein Vermißter kommt nie wieder nach Hause. Andere sehen erst nach jahrelanger Kriegsgefangen-schaft die Heimat wieder.

Auch das Kapitel der Entnazifizierung gehört in diesen Zusammenhang. Hierzu gibt das Verzeichnis der Badischen Gemeindearchive "Zunzingen" verschiedene Aktenhinweise, ohne Details zu nennen. Es geht jedoch daraus hervor, daß das Vermögen ehemaliger NSDAP-Mitglieder teilweise eingezogen wird und sie selbst zu Arbeitseinsätzen herangezogen werden. Die ehemaligen Wehrmachtsoffiziere werden in einem gesonder-ten Verzeichnis erfaßt.

Doch die Dorfbevölkerung bedrängen andere Probleme. Diebesbanden ziehen umher und rauben Vieh- und Hühnerställe aus. Erst als ein paar Zunzinger Männer einen der Diebe erwischen und verprügeln, sind die Ställe wieder sicher. Es ist ein Überlebenskampf. Die Menschen wissen nicht, was die Zukunft ihnen bringen wird.

Mit der Besatzung durch die Franzosen beginnen aber auch die ersten Gesten aktiver Versöhnung. Aufkeimende Bande von Freundschaft zwischen Besatzern und Besatzten gedeihen in dem vom Krieg jetzt aufatmenden Dorf. Einige der französischen Offiziere schließen dauerhafte Freundschaften mit ihren Gastgeberfamilien. Die Dorfbevölkerung macht Bekanntschaft mit französischen Sitten. Eine Art "Place de la Republique" wird im Dorf angelegt, mit Blumen und Fahnen. Jeden Abend versammeln sich dort die französischen Offiziere und die Soldaten, welche meist marrokanischer Herkunft sind. Auch der weibliche Anhang fehlt nicht; bis zum heutigen Tag hat sich für einen bestimmten Platz, wo diese Damen untergebracht werden, die Bezeichnung "Harem" erhalten.

Zwangswirtschaft und hoffnungsvoller Neubegin

Auch nach Kriegsende können die Bauern über ihre Produkte nicht frei verfügen. Es herrscht weiter Zwangswirtschaft, und jede Woche muß eine bestimmte Menge an Waren und Gütern abgeliefert werden. Man versucht sich zu arrangieren, so gut es eben geht. Was nicht offiziell erlaubt ist, wird schwarz gemacht. Die Fantasie ist grenzenlos, und Not macht erfinderisch. Aus dieser Zeit sind so viele Anekdoten überliefert, daß man ein ganzes Buch damit füllen könnte. Eine der hübschesten ist die von den Zwillingskälbchen:

Da hat ein Zunzinger Bauer ein Kalb im Stall, das er nach den bestehenden Vorschriften abliefern muß. Zu gleicher Zeit hat bei einem Verwandten im benachbarten Dattingen ebenfalls eine Kuh gekalbt und ist mit Zwillingskälbchen niedergekommen. Man überlegt. Die Behörden wissen nicht, daß der Dattinger Bauer mehr als ein Kälbchen hat. Heimlich in der Nacht werden die Zwillinge nach Zunzingen gebracht, dort ist die Abgabestelle. Als die Stunde kommt, geben die beiden Bauern je ein Zwillingskälbchen ab. Während die Tiere verladen werden, meint ein anderer Zunzinger, der nachdenklich das Schauspiel betrachtet aber nicht in den Trick eingeweiht ist: "Also, me chönnt fast meine, des seie Zwilling!" Das größere Kalb, das derweil im Stall in Zunzingen versteckt ist, wird heimlich geschlachtet und genußvoll verspeist. Nicht immer gelingt es freilich, den Behörden ein Schnippchen zu schlagen.

Aber es geht aufwärts. 1946 hat das Dorf wieder einen Gemeinderat; Adolf Schumacher wird zum Bürgermeister gewählt. Am 23. Oktober 1947 darf mit Genehmigung der französischen Besatzungsmacht der Gesangverein wieder gegründet werden. Der feierliche Akt findet im Rathaus in Gegenwart zweier französischer Offiziere statt, die auch bei diesem Anlaß ihre großen Pistolen tragen.

Die Rückschläge bleiben nicht aus. 1946/47 gibt es keinen Herbstertrag, weil Schädlinge die Reben befallen haben. Unter der Leitung von Bürgermeister Schumacher werden daraufhin die Zunzinger Männer beim Finanzamt Müllheim vorstellig und protestieren gegen die hohe Vermögenssteuer.

Der Sommer 1947 ist so trocken, daß es kein Heu gibt. Einige Bauern fahren mit einem Gespann "auf den Wald", um Heu zu kaufen, sie erhalten dafür die Genehmigung der französischen Kommandatur. Die Heimfahrt ist ein Ereignis, das mit ausgiebigem Zechen gefeiert wird. Das Wäldergras ist aber so hart und "glasig", so daß man es kaum verfuttern kann.

Um Holz zum Heizen und Kochen zu haben, arbeiten die Bauern oft tagelang im Wald. Damit keine Zeit verloren geht, bringen ihnen die Frauen und Kinder das Essen.

1948 kommt die Währungsreform. Wer sich ein neues Radio kaufen möchte, muß 545 Mark auf den Ladentisch blättern! Da muß man schon gutes Herbstgeld verdient haben. Als das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Schweiz aus dem Stuttgarter Neckarstadion übertragen wird, lauscht man gemeinsam vor den wenigen Radios im Dorf.

Aus Amerika kommt im gleichen Jahr ein Zeichen der Hoffnung. Als guter Onkel schickt der ausgewanderter Otto Bolanz den Zunzinger Kindern Schuhwerk, für jedes Schulkind ein Paar Schuhe. Dies wird sogar in den Markgräfler Nachrichten erwähnt. Die Freude ist riesig!

Traktoren, Autos und Motorräder gibt es in Zunzingen schon vor dem Krieg. Den ersten neuen Traktor nach der Währungsreform schafft Bertold Lindemann an, stolzt rattert der neue Deutz durch das Dorf.

Das Leben organisiert sich neu. Die Bäuerinnen schieben wieder ihre Marktwagen zu den Wochenmärkten nach Badenweiler und Müllheim; wenn die Marktwagen besonders schwer beladen sind, müssen die Kinder mithelfen beim Schieben und Ziehen. Einmal ist die Ernte so reich, daß ein ganzer Wagen voll Gemüse mit einem Gespann von einem Ochsen und einem Pferd nach Badenweiler geschafft werden muß. Auch die Hamsterer sind unterwegs, und manche von ihnen sind so ausgehungert, daß sie rohe Kartoffeln verschlingen.

Aufbau moderner Infrastruktur

Der Wiederaufbau beginnt. Nun wird der Weinbau, der dem Dorf schon immer Wohlstand brachte, zur Haupteinnahmequelle. Man stellt um auf die widerstandsfähige Pfropfrebe, nachdem in den Jahren 1945 bis 1947 die gefährliche Reblaus große Teile der Weinernte vernichtet hat.

Zwischen 1950 und 1961 realisiert man eine umfassende Flurbereinigung. Historisches Kuriosum: Jetzt müssen die Bauern erneut "Frondienst" leisten, doch sie tun es freiwillig und auch zu ihrem eigenen Nutzen. Viele Kleinparzellen werden zusammengelegt und vor allem wird das Wegenetz verbessert. Auch dem Obstbau wenden die Bauern sich verstärkt zu. Viehwirtschaft und Ackerbau gehen dagegen im Laufe der Jahre deutlich zurück. Viele Bauern hängen die Landwirtschaft an den Nagel oder betreiben sie fortan nur noch als "Hobby- und Feierabendbauern". Sie suchen ihren Broterwerb in Müllheim, Badenweiler und an anderen Orten, wo der Tourismus mächtig aufblüht und eine gesunde Industrie und Dienstleistungsbranche sich nach und nach ansiedelt.

Im Jahr 1955 läßt die Gemeinde ein Mehrzweckhaus mit Schlauchturm für die Feuerwehr erbauen. Hier wird ein Jahr später auch die Milchabgabestelle neu eingerichtet, die früher im Erdgeschoß des Schulhauses untergebracht war. Zu dieser Zeit haben noch viele Bauern Vieh im Stall. 1956 entsteht ein Dreschschopf außerhalb des Ortes und eine neue Dreschmaschine wird angeschafft. Diese ist heute längst durch die Mähdrescher ersetzt. Doch in der Zeit vor 1955 steht noch die alte Dreschmaschine auf dem Hof der Familie Kuni, und das ganze Dorf läßt dort sein Korn dreschen.

1962/63 wird ein neues Schulhaus gebaut, mitfinanziert durch Holzschläge im Eichwald. Bürgermeister Adolf Schumacher, über dessen sprichwörtliche Sparsamkeit einige hübsche Anekdoten kursieren, ist kein Mann, der Schulden liebt. Der Zunzinger Waldreichtum ermöglicht es aber auch, die Kriegsschulden, die auf die Gemeinde entfallen, mit dem Erlös aus 300 Ster Holz zu begleichen. Die Nebenstraßen des Dorfes werden asphaltiert und die Dorfbeleuchtung wird erneuert.

Die Gemeindereform

Im Jahr 1972, im Zuge der großen Gemeindereform, gibt Zunzingen seine Selbständigkeit auf und vollzieht die Eingemeindung in die Stadt Müllheim. Dieser Entscheidung geht eine Bürgerversammlung im Schulhaus mit hitzigen Diskussionen voraus. Auch Müllheims frisch gekürter Bürgermeister Hanspeter Sänger ist anwesend und wirbt für einen Zusammenschluß mit der Stadt. Es geht hoch her. Nicht wenige Einwohner sprechen sich zunächst für eine gemeinsame Verwaltungseinheit mit dem Nachbardorf Britzingen aus; schließlich ist die Mehrheit der Zunzinger Weinbauern der Winzergenossenschaft Britzingen angeschlossen. Doch schließlich folgen die meisten Bürger den vernünftigen Argumenten von Hanspeter Sänger und dem Rat des weitsichtigen Altbürgermeisters Adolf Schumacher, der an alle appelliert: "Für uns kommt nur Müllheim in Frage". Bei der Abstimmung spricht sich eine klare Mehrheit für Müllheim-Zunzingen aus.

Nach 163 Jahren Selbständigkeit schließt Zunzingen sich wieder einer größeren kommunalpolitischen Einheit an. Bürgermeister Sänger bestätigt die Bürger in ihrem Entschluß mit den Worten: "Das Dorf geht nicht unter!" Und der aus dem Amt scheidende Adolf Schumacher stellt fest: "Das ist eine historische Stunde". Die Badische Zeitung macht aus diesen bedeutungsvollen Sätzen in ihrer Ausgabe vom 15./16. Februar 1972 eine fette Schlagzeile.


Gelungene Dorfsanierung

Zunzingen muß seinen Entschluß nicht bereuen. Der Ausbau der Kanalisation beginnt noch im gleichen Jahr. Die Sicherung der Trinkwasserversorgung und die Erschließung des Neubau-gebietes "Hohlenmatten" (Beginn 1974) sind seither zum Wohl des Dorfes durchgeführt worden. In den 80er-Jahren wird die Kirche aufwendig restauriert, das Schäfergässle, der traditionelle Kirchweg der Leute aus dem mittleren und Oberdorf, wird mit praktischen, sauberen Steinplatten ausgebaut – das "Pfützenspringen" hat damit ein Ende. Mitte der 90er-Jahre wird das Dorfbild außerdem durch stimmungsvolle historische Straßenlaternen verschönert. Die historischen Dorfbrunnen werden restauriert, die Brunnenplätze mit Kopfsteinpflaster verschönert. Die Friedhofsmauer wird zu einem großen Teil mit Natursteinen erneuert und ausgebessert.

Der von langer Hand geplante Radweg zwischen Müllheim und Zunzingen wird im Jahr 1999 endlich Realität.

Das schöne Dorfbild, ein Ergebnis privater und öffentlicher Initiative, ist nicht nur für die Dorfbewohner selbst angenehm. Es animiert auch viele Feriengäste und Touristen zum Verweilen.

Vögte und Bürgermeister

Kuny (1815 bis 1832), Kuni (1832 – 1838), Datter (1838 – 1841), Friedrich Kuni (1841- 1846), Johann Georg Dattler (1846 – 1855), Jakob Friedrich Kuny (1855 – 1869), Gustav Dattler (1869 – 1876), Jakob Erhardt (1876 – 1878), Datter (1878 – 1887), Friedrich Schumacher (1887 – 1888), Georg Dattler (1888 – 1890), Georg Albert Bolanz (1890 – 1905), Friedrich Hämmerlin (1905 – 1919), Alfred Bolanz (1919 – 1924), Rober Bolanz (1924 – 1933), Max Bolanz (1933 – 1945), Adolf Schumacher (1945 bis 1972).


 
 
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