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Brauchtum
Das
Scheibenfeuer
Am Sonntag nach Aschermittwoch,
wenn im
alemannischen Raum die Buurefasnacht beginnt, lodern überall
im Markgräflerland
und im Elsaß die Scheibenfeuer auf. Das Zunzinger
Scheibenfeuer findet auf dem
Rosenberg statt. Hier kann man die Scheiben wunderbar zu Tal schlagen,
so daß
sie wie leuchtende Sternschnuppen weithin zu sehen sind.
Das
Scheiben- und Fasnachtsfeuer ist
ein heidnischer Brauch und stellt die Austreibung des Winters dar.
Lichtmeß (2.
Februar) ist vorbei, der Frühling naht, und die kleinen,
brennenden
Holzscheiben, die in den Himmel fliegen, symbolisieren das
große Sonnenrad.
Traditionell wird die Scheibe mit einem Segensspruch abgeschlagen, der
aber
später eine lustige, etwas derbe Aussage erhielt, etwa so:
"Schibii,
schibo, die Schiebe soll go, bis ans Nochbers Schopf un im Frieder an
Chopf".
Das
Scheibenfeuer muß natürlich
vorbereitet werden. Im Zusammenhang damit steht der alte Zunzinger
Brauch des
"Schleipfens". Der Tradition nach "schleipfen" die Buben
und Burschen das Holz für die Feuer aus dem Wald herbei. Da
man aber dürres
Reisig für das Anbrennen braucht, ziehen die Jungen ein paar
Tage vor dem
Fasnachtsfeuer mit einem Wagen durchs Dorf und sammeln Rebwellen. Dazu
rufen
sie vor jedem Haus: "Isch e bravi Frau im Hus, git sie au e Welle
us?". In Zunzingen hat es sich bewährt, daß die
Feuerwehr die
Gesamtorganisation des Scheibenfeuers übernimmt.
Wärend
die scheibe geschlagen wird sagt man folgen den Spruch auf
Schibi,
schibo, die Schiibe soll go, die Schiibe soll
suure, im Lehrer an d'Schnuure!
Hisgier und Uferbrutt
Hisgier und Uferbrutt sind ein
Brauch
mit heidnischen Wurzeln und stellen den endgültigen Sieg des
Sommers über den
Winter dar. Der Hisgier, im wilden Strohkleid, mit
rußgeschwärztem Gesicht und
von den Buben an der Kette geführt, symbolisiert den
scheidenden Winter. Er
trägt eine lange Baumrute mit sich herum, ein Zeichen der
verborgenen
Fruchtbarkeit des Winters und seiner Macht.
Die
Uferbrutt im weißen Kleid, dicht
verschleiert und mit einem Blumenkranz im Haar, wird von den
Mädchen geführt.
Sie ist der liebliche Sommer.
Zunzingen
gehört zu den ganz wenigen
Dörfern, wo sowohl der Hisgier als auch die Uferbrutt am
Himmelfahrtstag durch
das Dorf ziehen. Jede Gruppe geht von Haus zu Haus, und erbittet von
den
Bewohnern Gaben. Dazu wird ein Spruch gerufen: "De Hisgier isch e brave
Ma, er hätt gern Eier in Anke. Er hört das Dierli
gare, d' Lit solle de
Ankehaafe usschaare. Er hört des Hühnli singe, d' Lit
sollenem Eili bringe. Er
hört des Fäßli rumple, de Hisgier soll
ufgumpe!". Danach "gumpt"
der Hisgier dreimal auf und die Leute geben Eier, Butter, etwas zum
Trinken und
heutzutage auch Geld.
Vom
anderen Dorfende her ziehen die
Mädchen mit der Uferbrutt herum, deren Spruch auf gleiche
Weise geht: "D'
Uferbrutt isch e bravi Frau, sie hätt gern Eier in Anke..."
Auch die
Uferbrutt muß dreimal "ufgumpe" und erhält die
gleichen Gaben wie der
Hisgier.
Wenn nun
Hisgier und Uferbrutt mitten
im Dorf aufeinander treffen, gibt es einen Kampf. Während die
Gruppen die
beiden Symbolfiguren anfeuern, versucht der Hisgier den Blumenkranz der
Uferbrutt zu rauben, währen sie sich bemüht, die
Baumrute an einer Stelle
abzubrechen. Wem sein Vorhaben zuerst gelingt, der ist "Sieger".
Obwohl der Hisgier die größeren
Körperkräfte hat, wird er doch meistens
besiegt, wie es ja auch dem Sinn des Brauches entspricht. Vielleicht
liegt es
aber auch daran, daß er mit seinem dicken Strohpelz doch sehr
behindert ist,
oder einfach ritterlich der Uferbrutt den Sieg
überläßt. In früheren Jahren
kämpften Hisgier und Uferbrutt nicht alleine, sondern die
beiden Gruppen gingen
geschlossen aufeinander los. Gefeiert wurde damals wie heute gemeinsam.
Das
Pfingstkränzeln
Drei
schöne alte Dorfbrunnen stehen in
Zunzingen, einer im Oberdorf, einer im Mitteldorf und einer im
Unterdorf. Wie
in vielen Dörfern des Markgräflerlandes werden diese
Brunnen zu Pfingsten
prächtig mit Blumen und Tannenreisgewinden
geschmückt. Das
"Kränzeln", also das Binden der langen
Tannenreiskränze, wird in
Zunzingen von der Gymnastikgruppe besorgt.
Am
Abend vor
Pfingsten oder am frühen
Morgen des Pfingstsonntages wird der Blumenschmuck angebracht. Hoch auf
der
Brunnensäule sitzt die Krone aus Bux oder Tannenreis. Um die
Brunnensäule herum
windet sich ein langer Kranz bis zur Brunnenröhre; im Kranz
stecken bunte
Sommerblumen. Der Brauch geht auf die heidnische Zeit zurück
un den Glauben,
daß in jedem Brunnen und jeder Quelle Wassergeister wohnen,
denen man zu Dank
verpflichtet ist.
Hochzeitskränzeln
Wenn
im Dorf eine
Hochzeit
stattfindet,
wird gekränzelt. Die Schulkameraden und Freunde der Braut bzw.
des Bräutigams
winden einen langen Kranz aus Tannenreisig, der mit roten und
weißen
Papierrosen geschmückt wird. Dieser Kranz wird in der Nacht
vor der Hochzeit an
der Tür des Hochzeitshauses angebracht. Wenn der Kranz
hängt, bringt man dem
Paar ein Ständchen dar.
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